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Reisebereitschaft der Deutschen bleibt groß - Trend bei Tagesreisen zum Umstieg vom PKW auf die Bahn - Flug- und Kreuzfahrtscham in der Breite nicht erkennbar

Berlin, 18. Dezember 2019 – Mehr Tage auf Übernachtungsreisen aber weniger Tagesausflüge als im Vorjahr: Diese Vorabbilanz des Reisejahrs 2019 geht aus dem aktuellen BTW-Tourismusindex hervor. Unter dem Strich stehen rund 1,704 Milliarden private Reisetage der Deutschen und damit 0,5 Prozent weniger als 2018. „Ihre Reiselust und insbesondere ihre Urlaubsreisen lässt sich der Großteil der Bürger trotz größerer konjunktureller Unsicherheit und trotz der moralisch aufgeheizten Klimadebatte nicht nehmen“, kommentierte BTW-Präsident Dr. Michael Frenzel das Ergebnis. „Auch wenn wir durch das Minus bei den Tagesausflügen knapp an einem neuen Rekordjahr vorbeigeschrammt sind, bleibt festzuhalten, dass wir 2019 eine stabile Entwicklung der Reisetage auf ohnehin bereits sehr hohem Niveau erlebt haben. Die viel herbeigeredete Flug- und Kreuzfahrtscham spiegelt sich im Reiseverhalten nicht wider.“

Das leichte Minus des laufenden Jahres könnte im kommenden Jahr auch wieder ausgeglichen werden. Für 2020 prognostiziert der Tourismusindex auf Basis der GfK-Verbraucherbefragung ein Wachstum von 0,5 Prozent Reisetagen.

Verkehrsmittel: Bei Tagesreisen steigen die Deutschen stärker vom PKW auf die Bahn um

Im Zuge der Klimadiskussion wird häufig die Wahl der Verkehrsmittel thematisiert. Eine Sonderauswertung zu diesem Thema zeigt, dass die Deutschen bei den Tagesreisen, die sich fast ausschließlich auf innerdeutsche Ziele konzentrieren, durchaus bereit sind, Verkehrsmittel zu wechseln: So gingen die Tagesreisen mit dem PKW in den ersten neun Monaten des Jahres überdurchschnittlich stark zurück (-7%), mit der Bahn hingegen legten sie zu (+2%).

Bei mehrtägigen Reisen zeigte sich ein anderes Bild: Während die Aufenthaltstage bei Flug- oder PKW-Anreise zulegten (je +1%), gingen sie bei Urlauben mit Bahnanreise leicht zurück (-3%). Bei Reisen ins europäische Ausland, ins nördliche Afrika sowie in den Nahen Osten legte die Flugreise im Vergleich zu sonstigen Verkehrsmitteln sogar überproportional zu (+2 %). „Dieses differenzierte Bild zum Thema zeigt auch“, so Frenzel, „dass die viel zitierte ‚Flugscham‘ in der Breite der Bevölkerung offensichtlich nicht existiert.“

Reisearten und -anlässe im Detail: Weniger Ausflüge zu Verwandten und Bekannten, mehr Übernachtungen auf Städte-, Wellness- und Eventreisen

Der Trend ging in diesem Jahr weg vom Tagesausflug (-6%) hin zur mehrtägigen Reise (+2% Reisetage): Besonders deutlich zeigte sich diese Verschiebung bei Wellness- und Eventreisen. Zudem haben die Deutschen deutlich seltener Tagesausflüge zu Verwandten und Bekannten gemacht als im Vorjahr (-7%). Bei den mehrtägigen Privatreisen waren nicht nur Wellness- und Eventreisen beliebter als zuletzt, sondern u.a. auch Städtetrips sowie Kreuzfahrten – letztere lagen mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich hoch im Kurs.

Ausblick 2020: Deutsche bleiben reisebereit

Die Deutschen planen für das kommende Jahr nach aktuellem Stand rund 0,5 Prozent mehr Reisetage als 2019. Damit hat sich die Dynamik in Sachen Reiselaune gegenüber dem Jahreswechsel 2018/2019 zwar etwas abgeschwächt, nach wie vor befinden wir uns aber auf einem stabilen und positiven Level. Die Entwicklung der Ausgabeplanungen für Urlaub/Reisen ist im vierten Quartal dieses Jahres sogar wieder leicht angestiegen. Die Entwicklung der Reiselaune spiegelt die allgemeine Verbraucherstimmung wider, die sich laut GfK-Konsumklimaindex im vergangenen halben Jahr etwas moderater gezeigt hat. Brexit und internationale Handelsstreitigkeiten verunsichern in der Exportnation Deutschland die Beschäftigten, die Angst vor Jobverlust stieg zuletzt. Die wesentlichen Indikatoren, wie Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie Anschaffungsneigung liegen unter Vorjahresniveau, nichtsdestotrotz hält das Konsumklima ein zufriedenstellendes Niveau. Stabilisierend wirken sich dabei weiterhin die bislang trotz steigender Verunsicherung stabile Beschäftigung, steigende Einkommen und Niedrigzinsen aus.

Hinweis: Die Tourismusindex-Grafik können Sie hier… herunterladen.
 

Pressekontakt:

Nicole von Stockert, BTW-Pressesprecherin
Fon: 030/72 62 52-60; vstockert@btw.de

 

Über die Studie: Der BTW-Tourismusindex misst auf Basis des GfK-Konsumklimaindex und des GfK MobilitätsMonitors die Bereitschaft der Deutschen, das verfügbare Einkommen in Aufenthaltstage im Rahmen touristischer Aktivitäten zu investieren. Dabei ist der BTW-Tourismusindex unabhängig von zu wählendem Beförderungsmittel, beabsichtigtem Reiseziel und geplanter Reisedauer und umfasst sowohl privat als auch kommerziell organisierte Reisen. Betrachtet werden Tagesreisen wie auch Reisen mit Übernachtung(en), deren Ziel mindestens 50 Kilometer vom Wohnort des Reisenden entfernt liegt. Ergänzend zu diesem Stimmungsindikator werden zurückblickend die tatsächlich getätigten Reisetage ermittelt.

Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus denselben monatlich durchgeführten Onlinebefragungen bei etwa 2.000 Personen (repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland), die auch Grundlage des GfK-Konsumklimaindex darstellen. Neben diesen Indikatoren werden zusätzlich vor jeder Veröffentlichung des Tourismusindex zweimal jährlich im Rahmen derselben Onlinebefragung bei etwa 1.000 Personen Aspekte zur Reiseplanung erhoben. Auf dieser Basis wird eine ergänzende Prognose für die nächsten Monate erstellt. Der MobilitätsMonitor umfasst eine regelmäßige, monatliche Erfassung des Reiseverhaltens der Deutschen bei 38.000 Personen in einer kontrollierten, feststehenden Consumer Panel Stichprobe.

Die nächste Veröffentlichung findet im Juli 2020 statt.

Über den BTW: Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft vertritt als Dachverband der deutschen Tourismuswirtschaft die gemeinsamen und übergreifenden Interessen dieser vielfältigen und starken Branche. Die Tourismuswirtschaft steht für rund 4 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland und beschäftigt 2,9 Millionen Menschen. Tourismus sorgt beispielsweise für rund 1,7 Millionen Arbeitsplätze in Hotellerie und Gastronomie, rund 350.000 im Sport-, Freizeit- und Kultursektor, mehr als 130.000 im Straßen- und Nahverkehrsbereich sowie rund 100.000 in Reisebüros und bei Reiseveranstaltern (Quelle: BMWi-Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“).