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Flüchtlinge

Tourismusbranche kann zur Integration beitragen, aber politische Grundlagen müssen stimmen

Die Tourismuswirtschaft steht für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und ist selbst eine multikulturelle Branche. Für sie ist es selbstverständlich, ihren Teil zur Bewältigung der immensen Herausforderungen durch die Flüchtlingsströme zu leisten. Drei Dinge sind für den BTW in dieser Frage zentral:

1. Integration durch Beschäftigung und Ausbildung:

Das ist die vielfach geäußerte Hoffnung und auch aus Sicht des BTW ein zielführender Weg. An dieser Stelle kann auch die Tourismuswirtschaft ihren Teil beitragen. In keiner anderen Branche gibt es bereits jetzt eine vergleichbare Vielfalt unter den Beschäftigten. So hat insbesondere im Gastgewerbe schon heute mehr als ein Viertel der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Eine Umfrage des Ifo-Instituts Anfang 2016 zeigte zudem, dass während deutschlandweit in den vergangenen 2 Jahren nur in 7 Prozent der Unternehmen Flüchtlinge beschäftigt wurden, es im Gastgewerbe stolze 28 Prozent waren. Zudem bietet die Wachstumsbranche Tourismus mit rund 3 Millionen Beschäftigten Chancen für fast alle Qualifikations- und Bildungslevel. Doch ganz klar: Die Integration wird eine langwierige Aufgabe, die Geduld und politische Weichenstellungen erfordert.  Es ist immens wichtig, dass sich gerade die vielen kleinen Unternehmen nicht alleingelassen fühlen. Deshalb hat der BTW von Beginn an neben frühzeitiger Sprachvermittlung Erleichterungen beim Einstieg in Ausbildung und Arbeit von der Politik gefordert. Im Rahmen des Integrationsgesetzes hat die Bundesregierung im Jahr 2016 eine Reihe sinnvoller Erleichterungen auf den Weg gebracht: Darunter eine vorerst dreijährige Aussetzung der Vorrangprüfung sowie ein Aufenthalts recht für die gesamte Dauer einer Ausbildung und (nach einem erfolgreichen Abschluss) für zusätzliche zwei Jahre bei einer Weiterbeschäftigung. Damit wurden aus Sicht des BTW zentrale Weichenstellungen für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt vorgenommen.

2. Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise bedarf es einer durchdachten Lösung auf europäischer Ebene

Grenzen dicht zumachen darf aus Sicht der Tourismusbranche nur eine temporäre Maßnahme sein. Eine endgültige Aufgabe der Reisefreizügigkeit wäre definitiv der falsche Weg, denn die Menschen, die Wirtschaft und gerade auch der Tourismus Europas profitieren von offenen Grenzen. Nicht Abschottung, sondern Zusammenhalt ist der Schlüssel. Deshalb muss es darum gehen, dem europäischen Gedanken entsprechend eine gemeinsame Lösung zu finden, zu der jedes Mitglied einen angemessenen Beitrag leistet.

3. Mit Blick auf die Wirtschaftsflüchtlinge müssen Perspektiven in den Heimatländern geschaffen werden

Tourismus als starker Wirtschaftsfaktor in vielen Teilen dieser Welt kann auch dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Die Reisen der Deutschen allein sichern schon heute fast 750.000 Arbeitsplätze in Entwicklungs- und Schwellenländern. 15 deutsche Touristen schaffen einen Arbeitsplatz. Die deutschen Touristen tragen fast 7 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt dieser Länder bei. Tourismus kann helfen, Perspektiven für die Menschen vor Ort zu schaffen. Er bietet ungenutzte Potentiale für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit. Diese gilt es, gemeinsam zu identifizieren und zu nutzen.

Auch im Rahmen des 19. Tourismusgipfels im Oktober 2015 hat die Flüchtlingskrise eine große Rolle gespielt. Darüber hinaus hat sich der BTW gemeinsam mit weiteren Vertretern der Branche unter dem Motto „Wir zeigen Gesicht“ in einer Sonderpublikation der FVW, die auch Tageszeitungen wie der FAZ und der Süddeutschen Zeitung beilag, zu dem Thema positioniert.