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Tourismusgipfel 2015

Impressionen der Veranstaltung

Alle Bilder vom Programm des 19. Tourismusgipfels finden Sie hier...

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alle Fotos: © Svea Pietschmann / BTW

Die Inhalte des 19. Tourismusgipfels

19. Tourismusgipfel mit Appell an Politik in Sachen Flüchtlinge und Gewerbesteuer eröffnet

BTW-Präsident Dr. Michael Frenzel eröffnete den Gipfel mit einer Grundsatzerklärung zu den aktuellen Erfolgen und anstehenden Herausforderungen der deutschen Tourismuswirtschaft. Frenzel würdigte politische Erfolge aus Sicht der Branche wie die gesetzliche Festschreibung der Tarifeinheit, die Aussetzung des Projektes Pkw-Maut sowie Korrekturen bei der Mindestlohnregelung. Frenzel warnte aber auch vor weiter anstehenden Problemen bei wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wie dem Griechenlandthema, der Zukunft Europas und des Euros. Als anstehende Aufgaben benannte Frenzel die praxisfremden unflexiblen Arbeitszeitregelungen, die Gewerbesteuerliche Hinzurechnung sowie die Novellierung der Pauschalreiserichtlinie. Der BTW-Präsident forderte Chancengleichheit für klassische und neue Vertriebskanäle.

Mit Blick auf die Flüchtlingsströme versicherte Frenzel, dass die Tourismuswirtschaft ihren Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen leisten werde, forderte aber Unterstützung der Politik vor allem für mittlere und kleinere Unternehmen. Die vollständige Eröffnungsrede finden Sie hier...


Grußwort aus dem Bundeswirtschaftsministerium

Dr. Rainer Sontowski, Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, übernahm kurzfristig für die erkrankte Parlamentarische Staatssekretärin und Tourismusbeauftragte Iris Gleicke das Grußwort. Sontowski wies darauf hin, dass Deutschland derzeit zwei Gesichter habe: Hass und Ablehnung auf der anderen Seite, vor allem aber eine große Welle der Hilfsbereitschaft, die völlig ohne Zutun der Politik wirke. Er sei beeindruckt, wie die Branche Gesicht zeige und zu einer langfristigen Integration der Flüchtlinge beitrage und dankte dafür ausdrücklich im Namen der Bundesregierung. Zu den Themen Gewerbesteuerliche Hinzurechnung und Pauschalreiserichtlinie erläuterte der Staatssekretär, dass unterschiedliche Interessen von den Regierungsstellen berücksichtigt werden müssten. Es gebe einige Bewegung in den Gesprächen, aber noch keine Lösungen.

Olympia 2024 – Hamburg bereitet sich schon vor

Björn Domröse vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg präsentierte die Pläne der Elbmetropole, mit denen sie in die Bewerbung um Olympische Spiele und Paralympics geht. Kern der Bewerbung und USP des Konzeptes seien die Olympischen Spiele im Herzen der Stadt: Olympisches Dorf und (fast) alle Wettkampfstätten im Umkreis von zehn Kilometern. Zweiter Grundgedanke sei Nachhaltigkeit: 23 bestehende Sportstätten könnten mit Renovierungsarbeiten genutzt werden, neun Arenen würden temporär errichtet und nur vier Neubauten seien geplant. Neubauten, die in „olympischer Größe“ nicht nachgenutzt werden könnten, sollen laut Konzept direkt zurückgebaut werden und beispielsweise neue Wohnungen aufnehmen. Insgesamt sieht die Planung Olympische Spiele auch als Katalysator für den Breitensport.


In der anschließenden Expertenrunde betonte DZT-Chefin Petra Hedorfer die steigende Beliebtheit der Marke Deutschland im Gefolge der FIFA WM 2006 und eine mögliche Reproduktion dieses Effektes durch Olympische Spiele. DEHOGA-Präsident Fischer würdigte die Leistung der DZT, die eine solch nachhaltige Strahlkraft der FIFA WM bis heute unterstützt habe. Hamburgs Tourismuschef Dietrich von Albedyll verspricht sich durch Olympia Rückenwind in den Bemühungen um eine verbesserte Internationalität Hamburgs. Von Olympia werde die Stadtentwicklung insgesamt durch verbesserte Infrastruktur profitieren. Bei den gegenwärtigen Wachstumsraten von ca. 3000 Hotelzimmern jährlich könnte der Bedarf aus der natürlichen Entwicklung gedeckt werden. Hedorfer unterstrich, dass Deutschland und die Hamburgbewerbung in einem engen Zusammenhang stünden und auch 2006 Organisationen und Unternehmen Hand in Hand an dem freundlichen Deutschlandbild gearbeitet hätten. Dem schloss sich DEHOGA-Präsident Ernst Fischer an. Olympia bedeute einen Motivationsschub für die Branche – Hotellerie und Gastronomie stehen hinter der Bewerbung.

Eindringlicher Appell aus Europa

Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses schlug in seiner eindringlichen Rede eine Brücke zwischen der per se internationalen Tourismusindustrie und den aktuellen Herausforderungen durch die Flüchtlingsströme. Eine Abschottung hätte dramatische Auswirkungen auf die errungene Freizügigkeit des Reisens aber auch des Handels in Europa.

Brok forderte große Lösungen von den kurzfristigen bis zu den langfristigen Aufgaben. Deutschland könne sich mit seiner komfortablen Binnenlage nicht aus der dramatischen Entwicklung an den Außengrenzen der Union heraushalten.

Von Europa müssten Beiträge zur Stabilisierung in Libyen, in der Türkei, in Jordanien und im Libanon geleistet werden. Der Europaparlamentarier belegte mit Zahlen, dass die wirtschaftlich schwächeren Länder unverhältnismäßig mehr Flüchtlinge aufnehmen würden und damit ihre eigene Stabilität gefährdet werde. Im Mittleren Osten werde ein Stellvertreterkrieg mit religiösem Hintergrund geführt, dessen Dimensionen der Politiker mit dem 30-jährigen Krieg verglich. Entsprechend bräuchte es dringend einen neuen „Westfälischen Frieden“, um die Krise zu beseitigen.

Brok forderte radikalen Wandel und Umdenken in der Wirtschafts-, Entwicklungs-, Handels- und Fischereipolitik um eine ausgewogene Entwicklung in den Regionen zu ermöglichen. Damit sei eine Umkehr in den europäischen Haushalten ebenfalls unabdingbar. Brok appellierte an die Touristiker, diesen Prozess mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in die Öffentlichkeit zu tragen.

Jens Spahn: „Deutschland bleibt stark“

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen Jens Spahn sprach über politische Herausforderungen für Deutschland und langfristige Lösungsansätze – auch für die Tourismusindustrie. Den Erfolg, den Deutschland heute wirtschaftlich und politisch hat, zu genießen, sei gut. Es stelle sich aber die Frage, ob wir genug tun angesichts der jungen Regionen in Asien, Südamerika und Afrika um auch in Jahrzehnten international Anschluss zu halten.

Die erste seiner drei Kernthesen: demografische Veränderung. Seit 15 Jahren sprechen wir darüber, aber der demografische Wandel nimmt gerade erst richtig Fahrt auf. Für den Tourismus ist heute schon der Fachkräftemangel ein großes Thema, das an Schärfe noch gewinnt. Das Thema „Bildungsrepublik Deutschland" müsse disruptiv neu gedacht werden. Wenn für die gymnasiale Oberstufe beispielsweise doppelt soviel Geld ausgegeben werde, wie für die früheren Bildungsstufen, verzerre das die Zugangsposition für diejenigen, die mehr Unterstützung bräuchten. Wenn in einigen Jahren mehr Leute ins Rentenalter kommen, als Beitragszahler nachwachsen, müsse über flexible Rentenmodelle gesprochen werden. Zweites Kernthema war für Spahn die Digitalisierung. Wer die Daten hat und die Plattformen, der hat auch die Marge in Zukunft. Und drittens ging Spahn auch auf die Flüchtlingsthematik ein: Wenn von einer Million Asylsuchenden 400.000 oder 500.000 Bleiberecht hätten, würde dies unseren Wohnungsmarkt, unseren Arbeitsmarkt, unser Stadtbild verändern. Hauptaufgabe sei neben dem Erlernen der Sprache, Kultur- und Integrationskursen der Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Tourismusindustrie sei hier gefragt bei den Zugängen auch zu geringer qualifizierten Jobs im Dienstleistungssektor.

Entwicklungsfaktor Tourismus - 740.000 Jobs in Entwicklungs- und Schwellenländern dank Tourismus aus Deutschland

Im Rahmen des 19. Tourismusgipfels stellte BTW-Präsident Dr. Michael Frenzel die Kernaussagen einer neuen Studie zum Beitrag des Tourismus aus Deutschland in Entwicklungs- und Schwellenländern vor: Mehr als 11 Millionen Deutsche reisen jährlich in Entwicklungs- und Schwellenländer. Dabei gaben sie 2012 rund 13,5 Milliarden Euro aus. Fast sieben Milliarden Euro trugen direkt zum BIP der Entwicklungsländer bei – das entspricht fast dem Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aufgrund dieser Reisen der Deutschen entstehen rund 740.000 Arbeitsplätze vor Ort. Inklusive indirekter und induzierter Effekte stehen die Reisen der Deutschen in Entwicklungs- und Schwellenländer für 1,8 Millionen Arbeitsplätze und 19 Milliarden Euro Gesamtbeitrag zum BIP dieser Länder. Der Effekt: Tourismus bedeutet mehr Wertschöpfung und Arbeit, schafft außerdem neue Perspektiven für die Menschen.


In der anschließenden Podiumsdiskussion erläuterten Experten ihre Wahrnehmung der Inhalte der Studie und erweiterten sie um zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Aus der Sicht der Zielgebiete berichtete Dr. Amel Karboul, Secretary General of MEF (Maghreb Economic Forum), die im vorigen Jahr als Tourismusministerin der tunesischen Übergangsregierung angehörte und starke Impulse für die Öffnung der Branche in ihrem Land gesetzt hat. Charles M. Huber, Bundestagsabgeordneter und Experte für Afrika erläuterte die Zusammenhänge von wachsendem Wohlstand, Tourismus und Arbeitsplätzen aus seiner Perspektive. Klaus Lengefeld, Sector Leader Sustainable Development der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, plädierte dafür, Destinationsentwicklung als komplexes Sachgebiet wieder stärker bei der GIZ anzusiedeln. Tomas Ellerbeck, Mitglied Group Executive Committee der TUI Group brachte die unternehmerische Perspektive ein: die Mischung unterschiedlicher Urlaubsformen und -interessen ermögliche eine breit aufgestellte, nachhaltige Destinationsentwicklung.

Die Studie Entwicklungsfaktor Tourismus in Kurz- und Langfassung können Sie hier herunterladen...

Günther Oettinger: Herausforderungen durch die Digitalisierung in Europa

Der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft startete mit einer Bestandsaufnahme: Das Ansehen der deutschen Wirtschaft habe einen Höchststand erreicht und sei aktuell nicht gefährdet. Sorgen mache ihm das nächste Jahrzehnt. Oettinger beklagte eine Fülle neuer sozialer Wohltaten, während Infrastrukturaufgaben nur langsam abgearbeitet würden: Klare Industriepolitik sehe anders aus.

In einem Parforceritt blickte der EU-Politiker auf die Industriegeschichte zurück um festzustellen, dass Deutschland in vielen Feldern Handlungsbedarf habe. Die wichtigsten Handlungsfelder: Big Data – Kundenbedürfnisse kennenlernen, Online-Portale als Chance auch für kleinere Unternehmen wie Einzelhoteliers, rascher Ausbau der Struktur für Datentransport (vorzugsweise durch Glasfaserkabel) und digitale Kompetenz auch bei den Mitarbeitern der Unternehmen.

Klassische Wertschöpfung unter Druck – Zwiegespräch zwischen Simone Menne (Lufthansa) und Marianne Stroehmann (Google)

Die beiden Topmanagerinnen stellten in Kurzpräsentationen und im anschließenden Zwiegespräch – moderiert von Spon-Kolumnist Jan Fleischhauer – ihre Erfahrungen mit dem digitalen Wandel vor.

LH-Vorstandsmitglied Menne stellte fest, dass das Geschäftsmodell der Netzairlines kleiner wird, der Point to Point-Verkehr wachsen wird und die Hubs sich verlagern könnten. Lufthansa müsse überlegen, was der Kunde will, wie er es will und wo man das klassische Geschäftsmodell in ein digitales transformieren könne. Die Sharing Economy verändere Denkweisen - Wettbewerber von LH seien zwar noch Flugunternehmen, man müsse aber überlegen, ob der einzelne Flugsitz das zu vermarktende Produkt wäre oder die kundenspezifischen Ancillaries. Vielleicht würde die Fluggesellschaft, wie bei Energieunternehmen schon der Fall, in Zukunft auch Kontingente verkaufen, die jemand anderes kundenspezifisch vermarktet – eine Art neues Veranstaltermodell?

Marianne Stroehmann, bei Google Deutschland als Direktorin für Finance und Travel verantwortlich, repetierte die Entwicklungswellen des Internets bis zum Internet of things und dessen Integration in den Alltag. Nach ihrer Meinung treibt der Kunde den Wandel und die Unternehmen müssten sich daran orientieren. Die Customer Journey sei der Schlüssel für die Unternehmensstrategie. Allerdings, so die Google-Expertin, sei die Sensibilität im Umgang mit Daten in Deutschland erheblich größer. Sharing Economy sieht Stroehmann weniger als Bedrohung klassischer Unternehmen sondern als Chance, neue Denkmodelle zu entwickeln.

Christian Lindner – FDP höchst lebendig

Temperamentvoll, witzig und scharfzüngig präsentierte der FDP-Parteivorsitzende den versammelten Touristikern, wie die Tourismuspolitik aussähe, wenn die Liberalen mitmischen würden.

Das zentrale Tagesthema Flüchtlingszuwanderung war für Lindner vor allem ein Bürokratiethema: Zuwanderung könnte eine Chance sein, aber ein Qualifikations-Check direkt nach der Ankunft sei nach seiner Auffassung unumgänglich und ein sofortiger Anschluss an den Arbeitsmarkt. Eine klare Absage  erteilte der Liberale denen, die meinen, Deutschland müsse sich für seine Flüchtlinge ändern. Er forderte mehr Selbstbewusstsein für die Werte, derentwegen Menschen nach Deutschland fliehen.

Drei Grundsatzthemen führte Lindner im Folgenden aus: Er beklagte eine aktuelle „Lethargokratie“, die Deutschland in einen „Verteilermodus“ gebracht habe. Er forderte einen Paradigmenwechsel: große Dinge gestalten,kKleine loslassen. Die bestehende Regelungswut sei ein Misstrauensvotum für sozial verantwortliche Unternehmer. Im Gegenzug würden große Aufgaben verschlafen, beispielsweise die Digitalisierung. Big Data könne auch als Innovationsmotor gesehen und genutzt werden.

Das zweite große Thema des FDP-Mannes war die mangelnde Investitionstätigkeit: die Investitionsquote der öffentlichen Hand sinke trotz ausgezeichneter makroökonomischer Rahmenbedingungen. Die anstehende Novellierung der Erbschaftssteuer ist für Lindner ein direkter Angriff auf den Mittelstand.

Drittes Thema war die Bildung. Der soziale Skandal in Deutschland seien nach Lindners Worten nicht die sozialen Unterschiede. Er forderte stattdessen Chancengleichheit statt Verteilungsgleichheit durch eine grundlegende Reformierung des Bildungssystems.



Das Programm

Auch in diesem Jahr haben wir wieder spannende Themen und interessante Redner für Sie zusammengestellt.

Als Hauptredner konnten wir den EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Günther Oettinger für den 19. Tourismusgipfel gewinnen.

Im Rahmen der Veranstaltung stellten wir auch Ergebnisse unserer in Zusammenarbeit mit dem Bundesentwicklungsministerium entstandenen Studie zum Beitrag des Tourismus aus Deutschland in Entwicklungs- und Schwellenländern vor.

Den aktuellen Programmstand finden Sie hier...

Hintergrundinformationen

Wirtschaftliche Entwicklung der Branche in den vergangenen Monaten:

Die Tourismuswirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten genauso wie im Gesamtjahr 2014 wirtschaftlich positiv entwickelt. Zahlen zur Wirtschaftskraft der Branche sowie den Entwicklungen in den vielfältigen touristischen Teilbranchen von Gastgewerbe bis Luftverkehr haben wir auf der folgenden Seite für Sie zusammengestellt...


Olympia 2024 in Hamburg - eine große Chance

Die Tourismuswirtschaft steht hinter der Olympiabewerbung Hamburgs. Welche Chancen eine solche Großveranstaltung bietet, haben wir auf folgender Seite für Sie zusammengestellt...

Die Sponsoren

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