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Tourismusbranche als Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

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Bereits seit Jahren ist die Tourismusbranche eine der wichtigsten Wachstumsbranchen überhaupt. In Verbindung mit dem demographischen Wandel, der sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch auf den touristischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt auswirken wird, führt dies zu einem weiter steigenden Bedarf an Arbeitskräften und damit sehr guten Perspektiven für aktuelle und künftige Schulabgänger, für gering Qualifizierte genauso wie für Akademiker.

Tourismus ist zum überwiegenden Teil ein Dienstleistungsgewerbe, in dem sich auch unter möglichem Rationalisierungsdruck kaum Arbeitsplätze einsparen lassen. Die Tourismusbranche stellt nach dem Handel den zweitgrößten Dienstleistungssektor in Deutschland dar. In den unterschiedlichsten Sparten entstehen hier stets neue interessante Arbeitsplätze und Arbeitsinhalte. Hierfür werden dringend qualifizierte Fachkräfte gesucht. 

Rund 2,9 Millionen Personen finden dank des Tourismus schon jetzt einen Arbeitsplatz. Rund 70.000 Ausbildungsplätze werden bereit gestellt. Damit ist die Tourismuswirtschaft insgesamt einer der größten Ausbilder Deutschlands.

Ausbildungs- und Berufschancen

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So heterogen wie die Branche ist - von Reisebüros und -veranstaltern über Flughäfen und -gesellschaften, die Bahn, Reedereien und Reisebusunternehmen, Restaurants, Hotels oder Event-Locations bis hin zu Tourismus Marketing-Gesellschaften, Reiseversicherungen und Duty Free Shops - so vielfältig sind auch die Berufschancen und -wege, die die Tourismusbranche bietet:

Da sind zum einen die klassischen Berufe, an die man sofort denkt, wenn man "Tourismus" hört - z.B. Pilot oder Reiseverkehrskauffrau/mann, Koch oder Hotelmanager. Doch wenn man sich das Spektrum der Branche ansieht, gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, die sich gerade auch angehenden Auszubildenden oder Studenten eröffnen - vom Eventmanager im Hotel, bei Messegesellschaften oder in Veranstaltungszentren über den Travel Manager im Geschäftsreisebereich oder den Physiotherapeuten, der gerade im boomenden Wellness- und Gesundheitstourismussektor gute Chancen hat, bis hin zu Einzelhandelskaufleuten im Duty Free Shop - um nur einige wenige zu nennen.

Auch eher allgemein ausgerichtete Uni- oder FH-Absolventen wie BWLer, Juristen und Ingenieure oder auch Journalisten, PR-Fachkräfte, Werbefachleute und ITler sind in den Unternehmen der Branche - gerade in den großen Konzernen - gefragt. Darüber hinaus bieten natürlich auch die zahlreichen touristischen Verbände in Deutschland spannende Jobs, die sich rund um das Thema Tourismus drehen.

Trends

Bei einer solchen Vielfalt von Möglichkeiten von Trends zu sprechen ist schwierig. Was sich aber in den vergangenen Jahren zunehmend entwickelt hat, sind zusätzliche Berufschancen in boomenden Sektoren wie dem Gesundheitstourismus oder im Kreuzfahrtenbereich sowie in eher neuen Tätigkeitsfeldern wie Umweltmanagement und Wertemanagement oder auch in neuen Forschungsfeldern, beispielsweise hinsichtlich leiserer Verkehrsmittel, alternativer Treibstoffe oder geringerem CO2-Ausstoß.

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Im Geschäftsreisebereich gibt es eine Bildungsoffensive, die auch dem Berufsbild des Travel Managers noch mehr Profil geben will. Seit einiger Zeit existiert in diesem Feld die neue Qualifizierung zum IHK-Fachwirt für Mobilitätsmanagement. Auch hier besteht noch erhebliches Potenzial für die Zukunft.

In der Veranstaltungsbranche (Messe, Kongresse, Events, Incentives) gibt es einen ganz klaren Trend zur Spezialisierung. Ausbildungsberufe wie Fachkraft für Veranstaltungstechnik und Veranstaltungskaufmann/-frau sind neu etabliert worden. In der weiteren Qualifikation gibt es den geprüften Veranstaltungsfachwirt (IHK) und den Meister für Veranstaltungstechnik. An Fachhochschulen und Hochschulen werden Schwerpunkte wie Eventmanagement, Event- und Congressmanagement, Messe- und Kongresswirtschaft, Messemarketing und Management, Messewirtschaft und Distributionsforschung etc. angeboten.

Anforderungen

Das komplexe internationale Tätigkeitsfeld erfordert qualifiziertes Fach- und Führungspersonal - das gilt für den Privat- genauso wie für den Geschäftsreisebereich.

Seit einigen Jahren ist auch in der Tourismusbranche eine zunehmende Akademisierung festzustellen. Gerade in den klassischen touristischen Unternehmen (z.B. Reiseveranstalter oder Luftverkehrsunternehmen) wird zunehmend ein akademischer Erstabschluss (also Bachelor) für Einstiegsjobs vorausgesetzt. Spätestens der berufliche Aufstieg erfordert oft einen akademischen Titel. Auch das Studium an anerkannten privaten Schulen mit touristischen Schwerpunkten - zu denen unter anderem unser Mitglied Angell gehört - bietet einen interessanten und Erfolg versprechenden Einstieg in die Tourismuswirtschaft.

Gleichwohl ist die Praxisorientierung im Tourismus noch immer stark ausgeprägt. Daher sind auch eine klassische Berufsausbildung oder berufsbegleitende und duale Studiengänge gute Optionen.

Auch wenn die einzelnen Segmente der Tourismusbranche durchaus durchlässig sind, sollte man sich möglichst früh entscheiden, welche Richtung man schwerpunktmäßig einschlagen will. Eine Spezialisierung im Laufe eines Studiums - gerade bei den übergreifenden Fachgebieten - ist in der Regel sinnvoll. Ergänzende Praktika - insbesondere vor dem Studium oder auch in den ersten Semestern - können bei der Wahl helfen. So bieten sich beispielsweise für BWL-Studenten je nach Neigung u.a. Spezialisierungen in Richtung Marketing, Hotelmanagement, Verkehr, Touristik oder auch Personalmanagement an.

In einem internationalen Tätigkeitsfeld wie dem Tourismus punkten insbesondere Studenten auch mit - möglichst praxisbezogenen - Auslandsaufenthalten.

Man sollte damit rechnen, dass man - z.B. in der Hotellerie oder im Eventbereich - häufig keinen klassischen Nine to five-Job haben wird. Man ist häufig dann im Job, wenn andere frei haben, z.B am Wochenende und/oder abends.

Zudem bedarf es in vielen touristischen Berufsfeldern der Bereitschaft, Kunden und Gästen zu dienen - schließlich handelt es sich im Wesentlichen um eine klassische Dienstleistungsbranche. Hinter den Kulissen sind dafür harte Arbeit und unermüdliches Engagement gefragt.

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Flexibilität, Reisebereitschaft, Teamfähigkeit und gute Fremdsprachenkenntnisse sind in den meisten Arbeitsfeldern unerlässlich.

Für eine aussichtsreiche Karriere im Tourismus ist auch ein Verständnis für gesellschaftliche und politische Trends sowie wirtschaftliche Zusammenhänge ein Pluspunkt. Wichtig ist auch der frühzeitige Aufbau persönlicher Netzwerke, die eine zentrale Rolle in Job- und Geschäftsvermittlung spielen. Alumni-Vereine, Praktikumsbetriebe, Webportale und Fachmessen sind sehr gute „Networking“-Plattformen.

Der Tourismus hat in Zukunft noch größere Herausforderungen zu meistern. Zwei Stichworte sind die Klimaerwärmung und der demographische Wandel. Profunde Marktkenntnisse und die Fähigkeit, Trends zu erkennen und zu analysieren sind deshalb grundlegende Fertigkeiten von Tourismusprofis.

Die Tourismusbranche ist prinzipiell offen für motivierte Einsteiger und nicht grundsätzlich festgelegt auf „Schubladenabschlüsse“. Nicht der exakte Abschluss/Titel, erworben an einer ganz bestimmten Universität oder Ausbildungsfirma, ist entscheidend, sondern das persönliche Engagement, die hohe Leistungsbereitschaft und Offenheit der Absolventen. Auch sollte man - wenn man keinen „Standardabschluss“ oder keine „Standardausbildung“ mitbringt - eine gewisse Weiterbildungsbereitschaft mitbringen, die einem zahlreiche spannende Türen öffnen kann.