Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) e.V.
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Im Hotel Adlon Kempinski in Berlin hat am 5. November der 21. Tourismusgipfel des BTW stattgefunden: Gut 500 Teilnehmer erlebten hochkarätige Redner von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil über den Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen Robert Habeck und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer bis hin zum Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz Botschafter Wolfgang Ischinger. Das vollständige Programm kann hier... noch einmal nachgelesen werden.

Impressionen des 21. Tourismusgipfels

Alle Fotos des Programms finden Sie hier...

Alle Fotos aus den Pausen und vom Berliner Abend finden Sie hier...

Inhalte des 21. Tourismusgipfels

Eröffnungsrede von BTW-Präsident Dr. Michael Frenzel

Unbürokratischer, flexibler und in einem gerechteren Wettbewerbsumfeld – so muss der Arbeitsalltag in den vorwiegend kleinen und mittelständischen Tourismusunternehmen des Landes künftig aussehen. „Bedenkt, dass Wachstum und hohe Beschäftigung nur dann gesichert sind, wenn die Rahmenbedingungen, die die Politik uns setzt, stimmen.“ Mit diesem Appell eröffnete der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Dr. Michael Frenzel den 21. Tourismusgipfel vor rund 500 Teilnehmern in Berlin. „Es gibt dringende Themen, wie das Ende der Urlaubssteuer, die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, Korrekturen der Wettbewerbsbedingungen des Luftverkehrs oder der ordnungspolitische Rahmen für die Plattformökonomie, die angepackt werden müssen. Besser gestern als morgen!“ Die gute wirtschaftliche Entwicklung im Tourismus schlage sich aufgrund geringer Margen und vor allem auch stetig steigender Kosten zu wenig in den Betriebsergebnissen wieder. Unternehmerfrust sei deshalb vorprogrammiert. „Unternehmertum muss sich endlich wieder lohnen.“

Mit Blick auf die von der Bundesregierung angekündigte Nationale Tourismusstrategie forderte Frenzel, dass Tourismuspolitik und -strategie nicht auf Barrierefreiheit und Qualitätsoffensiven reduziert werden dürfen. „Wir werden uns nicht mit dem Verweis darauf, dass Tourismus Ländersache ist, mit einer unambitionierten Strategie zufriedengeben! Steuerpolitik, Arbeitsrecht, ordnungspolitische Rahmensetzung, Verbraucherschutz und Bürokratieabbau - all das fällt in Bundeszuständigkeiten. All das gilt es, in der Nationalen Tourismusstrategie zu berücksichtigen. Der Koalitionsvertrag hat einen ‚ganzheitlich wirtschaftspolitischen Ansatz‘ versprochen. Dieser zentrale Aspekt darf kein Lippenbekenntnis bleiben.“

Frenzel betonte in seiner Rede auch die völkerverbindende und friedenstiftende Wirkung des Tourismus: „Tourismus verbindet Menschen, Staaten und Kulturen. Reisen erweitert den Horizont. Unsere Branche steht wie vielleicht keine zweite für Völkerverständigung und Freiheit, für Weltoffenheit und Multikulti. Für diese Werte stehen wir ein! Diese Werte fordern wir aber auch ein. ‚Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.‘ Dieses berühmte Zitat von Alexander von Humboldt ist aus meiner Sicht heute aktueller denn je. Zu viele Grenzen werden hochgezogen –reale zwischen Ländern und imaginäre in den Köpfen. Deshalb gilt unser Appell mehr denn je: Lasst uns reisen. Lasst uns die Welt anschauen. Lasst uns die Grenzen in unseren Köpfen einreißen. Tourismus kann zu Verständigung und Frieden beitragen. Tourismus ist eine Friedensindustrie und wir sind Teil davon.“

Die vollständige Rede können Sie hier herunterladen...

Rede des Bundesministers für Arbeit und Soziales Hubertus Heil

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil verdeutlichte in seiner Rede, dass Weltoffenheit und wirtschaftliche Entwicklung zusammengehören und Tourismus hier maßgeblich einen Anteil dazu beiträgt. In seiner Analyse zum Arbeitsmarkt, betonte er, dass Deutschland wirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch so gut wie lange nicht mehr aufgestellt sei. Trotzdem, erklärte er, müsse man im Hinblick auf die Fachkräftesicherung tätig werden, indem man die Potentiale des jetzigen Arbeitsmarktes noch besser ausschöpfe und am Einwanderungsgesetz arbeite.

In diesem Zuge bedankte er sich bei der Branche für den großen Beitrag der Flüchtlingsintegration. Vor allem die Hotellerie und Gastronomie habe den Geflüchteten eine Chance gegeben.

Darüber hinaus machte er auch auf die Veränderungen aufmerksam, welche aufgrund des technologischen Wandels und der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt zu kommen. Vor diesem Hintergrund, verdeutlichte er, dass wirtschaftlicher Erfolg und Gerechtigkeit miteinander einhergingen. Eine der großen Fragen unserer Zeit sei, wie es einer Gesellschaft gelänge, in Zeiten des technischen Wandels weiterhin zusammenzuhalten. Hieran wolle man arbeiten, so der Bundesarbeitsminister.

Rede des Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/ Die Grünen Robert Habeck

Der Deutschlandtourismus müsse stärker in den Fokus rücken, sodass „verborgene Perlen“ im Inland gefunden würden, appellierte der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen, Robert Habeck. Hier müsse man auch die Portalökonomie in die Pflicht nehmen, so der Bundesvorsitzende der Grünen weiter.

Er erklärte, dass eine starke und gelebte Regionalität, den Inlandstourismus stärke und somit auch auf dem Land Arbeitsplätze schaffe und zur Wertschöpfung beitrage.

Zudem solle die Politik im Bereich der Touristik normativer arbeiten. Ökologische Werte müssen eingehalten werden ohne, dass der Erholungswert leide.

Rede der CDU-Generalsekretärin, Annegret Kramp-Karrenbauer

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer verdeutlichte in ihrer Rede unter anderem, dass nicht nur die klassische Industrie von der Digitalisierung betroffen sei. Man rede oft von Industrie 4.0, dabei seien Dienstleistungen und damit gerade auch die Tourismusbranche mindestens genauso von den disruptiven Veränderungen betroffen.

Mit Blick auf das Thema Infrastruktur sprach sie bestehende Mängel und Lücken an. Vernünftige Infrastruktur und Verkehrsanbindung sei gerade im ländlichen Raum eine wettbewerbsrelevante Frage. Es gehe dabei derzeit nicht um die Frage, "ob wir das Geld haben, sondern wie wir es buchstäblich auf die Straße oder in den Boden bekommen".

Eine funktionierende digitale Infrastruktur sei auch für den Tourismus im ländlichen Raum von zentraler Bedeutung. Momentan drohe jedoch Deutschland im Ausbau der 5G-Netze im internationalen Vergleich abgehängt zu werden.

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs und Tourismusbeauftragten Thomas Bareiß

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Tourismusbeauftragter der Bundesregierung Thomas Bareiß hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Tourismuswirtschaft hervor, in dem er darauf aufmerksam machte, dass die Branche rund 4 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland erwirtschafte und knapp 3 Millionen Menschen beschäftige. Er wolle sich auch weiterhin für die Branche in Bezug auf die gewerbesteuerliche Hinzurechnung einsetzen. Das Thema brauche eine politische Lösung, man könne es nicht einem Gericht überlassen, so der Tourismusbeauftragte. Zudem machte er auf die geplante Nationale Tourismusstrategie aufmerksam, die die Bundesregierung gemeinsam mit der Branche entwickeln möchte. Eckpunkte sollen bis Anfang nächsten Jahres gesetzt werden, darauf werden Handlungsempfehlungen folgen, die letztlich in einer Strategie bis 2030 münden werden.

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs im BMZ Norbert Barthle

Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vertrat kurzfristig Bundesminister Dr. Gerd Müller auf dem Tourismusgipfel.

Er veranschaulichte die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Entwicklung und Schwellenländer in seiner Rede. Er betonte, dass jährlich elf Millionen Deutsche Schwellen- und Entwicklungsländer bereisen. Tourismus sei ein sehr großer Hebel für die Entwicklung und Arbeitsplätze in diesen Ländern.

Diese Zahl stammt aus einer vom BMZ geförderten Studie des BTW. Diese hatte u.a. auch ergeben, dass 15 Deutsche Touristen einen Arbeitsplatz in Entwicklungs- und Schwellenländern schaffen. Die Studie können Sie hier herunterladen...

Rede des Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz Botschafter Wolfgang Ischinger,

„Die Welt ist unsicherer geworden“ mahnte der Botschafter Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz. Die Prognosefähigkeit nehme ab. Daher seien auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2014 die Themen der Maidan oder ISIS eben nicht auf der Agenda gewesen, obwohl sie einige Wochen später die Schlagzeilen dominierten, so Wolfgang Ischinger.

„Wir als Europäer müssen uns der Verantwortung für die Zukunft stellen“, da wir nicht nur von Freunden umgeben seien, so der Botschafter weiter. Trotzdem sei Vertrauen wichtig, denn Vertrauen sei die Währung der Diplomatie. An dieser Stelle bekräftigte der Botschafter, dass auch der Tourismus eine große Rolle spiele, dieses Vertrauen aufzubauen. Die Tourismusindustrietrage dazu bei, gegenseitiges Vertrauen von Völkern zu fördern. Die Tourismusindustrie sei eine Friedensindustrie.

Rede von Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie


Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie, betonte in seinem Vortag zur „Modernisierung der kartellrechtlichen Missbrauchsaufsicht für marktmächtige digitale Unternehmen“ insbesondere die beiden Besonderheiten der digitalen Wirtschaft: Daten und Plattformen.

Der funktionierende Wettbewerb auf und um Portalmärkte sei gefährdet durch die Beschränkung des Datenzugangs und den systemischen Aufkauf kleiner Mitbewerber. Zudem seien die Behinderung von Multihoming und das Ausnutzen von Intermediationsmacht Hemmnisse für einen funktionierenden Wettbewerb, so der Wettbewerbsökonom.

Podium "Die ganze Welt will reisen - Wie wir Overtourism entgegensteuern können"

Zum Auftakt der Podiumsdiskussion zum Thema Overtourism, wandte sich Yannis Retsos, Präsident der Greek Tourism Confederation (SETE) per Videobotschaft an die Teilnehmer des Tourismusgipfels. Zunächst hob er die Bedeutung von deutschen Touristen nach Griechenland für die griechische Wirtschaft hervor und erklärte, dass Overtourism nicht mit einer „One-size-fits-all-Solution“ gelöst werden könne, sondern dass individuelle Lösungen in den betroffenen Destination gefunden werden müssen. Hierzu müssen Synergien verschiedener Player geschaffen werden, aus der Tourismuswirtschaft, den Marketing Organisationen, der Politik sowie auch den Kommunen.

Dr. Michael Frenzel betonte, dass Overtourism nicht überall eine Rolle spiele sondern ein punktuelles Phänomen sei. Diesem müsse jedoch entgegengewirkt werden.

Dr. Dirk Glaesser, Director for Sustainable Develoment der UNWTO machte darauf aufmerksam, dass Touristenströme vor allem auch durch Daten erkannt und dann dementsprechend entgegengewirkt werden könne. Glaesser betonte jedoch, dass vor allem Deutschland im Bereich der Datennutzung noch Nachholbedarf habe. Andere Länder wie die Niederlanden oder China seien hier viel weiter.

Michael Otremba, Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH sprach sich dafür aus, dass das Erlebnis für die Touristen persönlicher gestaltet werden müsse. Wenn sich der Tourist emotional angesprochen fühlt, wird er sich auch umsichtiger mit seiner Umgebung verhalten. Deutschland habe kein Overtourismproblem, jedoch sei es wichtig das anhaltende Wachstum rechtzeitig zu managen. Deutschland sei früher kein typisches Reiseland gewesen, aber dies ändere sich nun (auch durch die steigenden Zahlen Reisender aus Asien).

Laudatio des Juryvorsitzenden des Goldenen Koffers 2018 Dr. Jörg Esser für den Sieger Comtravo

Das Berliner Start-up Comtravo habe sich beim Pitchen am Vorabend gegen die harte Konkurrenz durchgesetzt, so Jörg Esser, Partner bei Roland Berger und Jurymitglied des "Goldenen Koffers 2018". Überzeugt habe das auf das Buchen von Geschäftsreisen spezialisierte Start-Up die Jury vor allem durch sein USP und sein Wachstumspotential. Zudem sei der Jury auch wichtig gewesen, dass das Start-up ein konkretes Problem löse, eine technische Komponente habe und bereits am Markt sei, so Dr. Jörg Esser.

Anmerkung: Neben Dr. Jörg Esser, saßen ebenfalls in der Jury: Young Leaders Circle Mitglied Claudia Hinnerkopf (Leitung Strategisches Marketing, Bayern Tourismus GmbH) sowie Daniela Schade (Geschäftsführerin, AccorHotels Deutschland GmbH), Onno Szillis (Leiter DB Mindbox, Deutsche Bahn AG), Gleb Tritus (Geschäftsführer,  Lufthansa Innovation Hub)

Alle Informationen rund um den Goldenen Koffer finden Sie hier...

Podium zur "Novelle des Personenbeförderungsgesetzes - Taxigewerbe quo vadis?"

Prof. Dr. Andreas Knie, Leiter der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professor an der TU Berlin führte aus, dass das Personenbeförderungsgesetz – insbesondere vor dem Hintergrund neuer digitaler Plattformlösungen - dringend einer Novellierung bedürfe. Der Individualverkehr in Deutschland müsse ressourcenschonender und umweltfreundlicher gestaltet werden.

Alexander Mönch, General Manager Deutschland und Österreich von mytaxi sprach sich für die teilweise Flexibilisierung der Taxitarife aus. Jedoch brauche es Preisuntergrenzen, um den Fahrer zu schützen genauso wie es Preisobergrenzen brauche, um die Mitfahrer zu schützen. Zudem solle die Politik Festpreise für Taxifahrten ermöglichen, sodass auf intermodalen Mobility-Apps bereits im Voraus die gesamte Fahrt (inklusive) Taxifahrt bezahlt werden könne.

Digitale-Sharing-Modelle der Personenbeförderung könnten langfristig den Individualverkehr reduzieren und effizienter gestalten, so Mönch. Was man nicht brauche seien taxiähnliche Mietwagenflotten ohne Shared Mobility Ansatz. Dies erhöhe nur die Anzahl der Vehikel auf der Straße. Die Politik müsse für gleiche Rahmenbedingungen für Mietwagen und Taxi sorgen, so der mytaxi-Manager.

Dirk Holl, Vorstandsvorsitzender des Taxiverbands Deutschland e.V. empörte sich über die deutsche Bürokratie im Bereich der Personenbeförderung. Es sei zu aufwändig ein neues Beförderungsunternehmen anzumelden.

Zudem argumentierte er, dass der Mindestlohn das Taxiangebot auf dem Land nur verschlimmert habe. Da Taxiunternehmensbetreiber nun die Fahrer auch für Leerzeiten bezahlen müsse, würden Fahrer nur noch in Stoßzeiten gebucht. Auch erhöhe dies den Kostendruck für Taxiunternehmer, welche daraufhin Investitionen mieden, so Holl.

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